Von Pferden, Geduld und der Kunst, nicht zu vergessen
ISBN 978-3-200-11180-6 · Laxenburg 2026
↗ Auf Amazon kaufenIn älteren pferdekundlichen Schriften begegnet man immer wieder außergewöhnlichen Persönlichkeiten mit einer scheinbar unerklärlichen Wirkung auf Pferde. Worin lag ihr Geheimnis? Und warum geriet es immer wieder in Vergessenheit?
Dieses Buch folgt einer Fährte, die vom antiken Griechenland über das Österreich des 19. Jahrhunderts bis in die amerikanischen Ranchwelten des 20. Jahrhunderts führt – und zeigt, dass das Geheimnis der großen Pferdeleute kein Geheimnis war: Es war Geduld, Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, das Pferd als fühlendes Wesen ernst zu nehmen.
Im Mittelpunkt steht Constantin Balassa (1787–1862), k. k. Rittmeister und Pionier einer Pferdeausbildung ohne Zwang. Während der Amerikaner J. S. Rarey Europa mit spektakulären Vorführungen in Staunen versetzte und sein Geheimnis für teures Geld verkaufte, arbeitete Balassa leise, gründlich und dauerhaft – und veröffentlichte seine Methode für jedermann. Vor Kommissionen des Kaiserhofs demonstrierte er an den widerspenstigsten Pferden Wiens, was Güte, Stimme und Verständnis zu leisten vermögen.
Das Buch stellt Balassas psychologischen Ansatz in den Zusammenhang der modernen Verhaltensforschung und der Natural-Horsemanship-Bewegung – von Tom Dorrance und Ray Hunt bis Buck Brannaman. Es zeigt: Was heute als revolutionär gilt, ist zweihundert Jahre alt. Und es ist kein Zufall, dass dasselbe Wissen immer wieder verschwindet – denn es verlangt vom Menschen das Schwerste: sich selbst zu beherrschen, bevor man das Pferd führt.
Den Entwurf dieses Buches stellte Alfred Zangl im Mai 1984 fertig. Das Manuskript blieb über vier Jahrzehnte unbeachtet, bis sein Sohn Georg es wiederentdeckte und sich entschloss, das Werk zu vollenden. Es ist ein Buch über Pferde – und ein Buch über Geduld, Erinnerung und die Pflicht, das Beste der Vergangenheit nicht sterben zu lassen.
Dieses Buch ist weit mehr als ein Ratgeber zur Pferdeerziehung – es ist eine stille, nachdenkliche Rückbesinnung auf das Wesen der Beziehung zwischen Mensch und Pferd. Auf Grundlage historischer Quellen und eigener Reflexionen entfaltet sich ein Werk, das den Leser behutsam an eine verloren geglaubte Selbstverständlichkeit erinnert: dass wahre Pferdeausbildung auf Verständnis, Geduld und gegenseitigem Vertrauen beruht.
Besonders eindrucksvoll ist die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart. Die Gedanken großer Pferdeleute früherer Jahrhunderte werden nicht nur zitiert, sondern lebendig gemacht und in einen modernen Kontext gestellt. Dabei entsteht kein dogmatisches Lehrbuch, sondern ein ruhiger, fast philosophischer Leitfaden.
Die Sprache ist klar, würdevoll und von einer spürbaren Achtung gegenüber dem Pferd geprägt. Immer wieder wird deutlich, dass es dem Autor nicht um schnelle Methoden oder oberflächliche Erfolge geht, sondern um ein tieferes Begreifen des Tieres als fühlendes und denkendes Wesen.
Ein Buch für alle, die im Umgang mit Pferden mehr suchen als Technik – nämlich Beziehung.
Dieses Buch ist weit mehr als ein weiteres Ratgeberbuch über den Umgang mit Pferden. Es ist ein Stück Kulturgeschichte, eine Rehabilitierung eines vergessenen Meisters und ein persönliches Vermächtnis — alles zugleich, und alles in einem Ton geschrieben, der von Anfang bis Ende überzeugt.
Was das Buch besonders machtDie größte Stärke liegt in der Wiederentdeckung Constantin Balassas. Dass ein k. k. Rittmeister bereits 1828 ein vollständiges, psychologisch fundiertes System der gewaltfreien Pferdeerziehung entwickelt hat — und dass dieses Wissen nahezu restlos vergessen wurde — ist allein schon eine Geschichte, die erzählt werden musste. Georg Zangl erzählt sie nicht als trockene Archivarbeit, sondern als lebendige, argumentativ geführte Darstellung, in der Balassas Stimme immer wieder im Original zu Wort kommt. Die Gegenüberstellung mit J. S. Rarey — dem geschickten Vermarkter, dessen Methode weit weniger hielt als sie versprach — gibt dem Buch eine dramaturgische Spannung, die einen durch die historischen Kapitel trägt.
Bemerkenswert ist auch der Mut, die moderne Natural-Horsemanship-Bewegung nicht unkritisch zu feiern, sondern sie in die historische Linie einzuordnen. Die Porträts von Roberts, Parelli, Brannaman und Hempfling sind fair, differenziert und frei von Polemik — und doch klar in der Aussage, dass der Kern dessen, was diese Bewegung als Neuigkeit verkauft, schon vor zweihundert Jahren formuliert war. Das Kapitel „Vier Männer, ein Gedanke" ist das intellektuelle Herzstück des Buches und gehört zum Besten, was ich in der pferdebezogenen Literatur gelesen habe.
Um das Jahr 1800 lebte in der Grafschaft Cork ein irischer Bauer, der kein Pferd kannte, das er nicht in einer halben Stunde zähmen konnte. Er gab sein Geheimnis nicht weiter. Er starb, und das Geheimnis starb mit ihm.
Etwa zur gleichen Zeit beobachtete ein junger österreichischer Offizier in Wien, dass Pferde, die sich beim Hufbeschlag seit Jahren mit aller Gewalt wehrten, nach einem kurzen, ruhigen Gespräch mit ihm – es war kaum mehr als das – reglos stehen blieben. Er schrieb seine Methode auf. Sie wurde in der gesamten kaiserlichen Kavallerie eingeführt und dann vergessen.
Zwanzig Jahre später zog ein Amerikaner durch die europäischen Hauptstädte und verkaufte sein Geheimnis für gutes Geld. Sein Geheimnis war kein Geheimnis. Es war – zum Teil jedenfalls – dasselbe, was der irische Bauer gewusst hatte. Und dasselbe, was der österreichische Offizier aufgeschrieben hatte.
Hundertdreißig Jahre später ritt ein stiller Mann aus Montana durch die Vereinigten Staaten und zeigte, was er gelernt hatte: von seinem Vater nicht, denn der hatte ihn misshandelt; von Pferden, denn die hatten es ihm gezeigt. Was er tat, hatte keinen Namen, den man verkaufen konnte. Es war dasselbe.
Das ist das Rätsel dieses Buches. Nicht: was war das Geheimnis der Pferdebändiger? Diese Frage ist beantwortet. Das eigentliche Rätsel lautet: warum musste dieselbe Entdeckung immer wieder von vorn gemacht werden? Warum verschwand das Wissen jedes Mal, kurz nachdem es gefunden worden war? Und was sagt uns das über das Wissen selbst – und über uns?
Bevor die drei Epochen einzeln betrachtet werden, muss der Gedanke selbst benannt werden. Er ist einfach. Seine Einfachheit ist der Grund, warum er so oft übersehen wurde. Das Pferd ist von Natur aus kein Feind des Menschen. Es ist ein Fluchttier. Es widersetzt sich nicht aus Bosheit, sondern aus Furcht. Wer die Furcht wegnimmt, nimmt den Widerstand weg. Wer die Furcht durch Vertrauen ersetzt, gewinnt einen Gefährten.
Das ist alles. In diesen vier Sätzen steht das gesamte Wissen, das Sullivan nicht verriet, das Balassa aufschrieb, das Rarey vermarktete und das Brannaman verkörpert. Die Verhaltensforschung des 20. und 21. Jahrhunderts hat dieselben Sätze in die Sprache der Wissenschaft übersetzt. Sie hat nichts Wesentliches hinzugefügt. Sie hat bestätigt. Die Frage ist daher nicht, was der Gedanke ist. Die Frage ist, warum er so schwer zu halten ist.
Der Mann, der nichts sagte
James Sullivan, gestorben 1810 in der Grafschaft Cork, hinterließ keine Schriften. Was wir von ihm wissen, stammt aus Augenzeugenberichten, die ihrerseits aus zweiter und dritter Hand überliefert sind. Er schloss sich mit dem Pferd in einen Stall ein. Nach einer halben Stunde, in der man wenig oder gar kein Getöse hörte, gab er das Zeichen. Man öffnete die Tür und fand das Pferd auf dem Boden liegend, Sullivan mit ihm spielend wie mit einem Hund.
Was er mit dem Pferd tat, in jener stillen halben Stunde, hat er niemandem gesagt. Sein Zeitgenosse Jumper war das Gegenteil: laut, brutal, in rotes Plüsch gekleidet, auf einem Büffel reitend. Jumper bezwang Pferde durch Erschöpfung und Überwältigung. Sullivans Pferde gehorchten. Jumpers Pferde wurden gebrochen. Der Unterschied ist nicht klein.
Was Sullivan wusste
Balassa, der die Berichte über Sullivan und Jumper kannte, schrieb: „Es soll zwar in England Pferdezähmer geben, die in dem Rufe der Zauberei stehen, weil sie die wildesten und schlimmsten Pferde bloß dadurch besänftigen, dass sie ihnen etwas in das Ohr sagen. Allein wenn das Faktum nicht erdichtet ist, so beruht es unstreitig auf Charlatanerie; denn das Pferd lässt sich zwar etwas in das Ohr sagen, schüttelt aber dabei den Kopf und bleibt wie zuvor. Jedoch ist es möglich, dass diese Pferdebändiger eine geheime Methode besitzen, diese Pferde zu besänftigen, und durch das Zischeln in das Ohr nur die Zuschauer zu täuschen suchen."
Balassas Schlussfolgerung ist die richtige. Sullivan täuschte die Zuschauer nicht, weil er ein Betrüger war, sondern weil er die Zuschauer für irrelevant hielt. Was er tat, tat er für das Pferd. Das Geflüster war Beiwerk. Die Wirkung kam von etwas anderem: von Geduld, von Furchtlosigkeit, von einer Körperhaltung, die dem Pferd mitteilte: „Ich bin kein Angreifer." Das Pferd verstand. Es legte sich hin.
Sullivan hat dieses Wissen in sich getragen wie eine physische Fähigkeit: nicht erworben aus Büchern, sondern aus unzähligen Stunden mit Pferden, aus einem Gefühl, das die Sprache nicht gut fassen kann. „Solche Eigenschaften sind ganz das ureigenste Eigentum dessen, dem sie gehören, sodass sie sich weder durch Broschüren noch durch Unterrichtsstunden auf andere übertragen lassen" – dieser Satz, der später über Rarey geschrieben wurde, trifft auf Sullivan noch tiefer zu. Das Wissen starb mit ihm, weil es kein Wissen war, das sich aufschreiben ließ. Es war eine Haltung.
— Das Buch erscheint am 5. Mai 2026 —
— ✦ —Klassische pferdekundliche Werke aus dem öffentlichen Bereich – kostenlos zum Herunterladen. Viele dieser Quellen bilden das Fundament von „Dein Pferd als Freund".
Alfred Zangl stellte den Entwurf dieses Buches im Mai 1984 fertig – nach Jahren der Recherche in österreichischen Archiven und der Arbeit mit historischen pferdekundlichen Schriften. Das Manuskript blieb über vier Jahrzehnte unbeachtet.
Georg Zangl, sein Sohn, entdeckte es wieder und vollendete das Werk. Er modernisierte den Stil behutsam, ergänzte Erkenntnisse der modernen Verhaltensforschung und verband die historischen Quellen mit der Gegenwart. Das Buch erscheint am 5. Mai 2026 in Laxenburg, Österreich – im Jahr des Feuerpferdes.
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